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Wie wichtig das Gehör als Kommunikationsorgan ist, bemerken wir
meist erst, wenn es nicht mehr 100prozentig funktioniert.
Lautsprecherdurchsagen, Warnsignale im Straßenverkehr, die Orientierung
anhand unterschiedlicher Geräuschquellen oder die Einschätzung von
Stimmungslagen – das Hörsystem liefert der Schaltzentrale im Gehirn
permanent wichtige Informationen. Allerdings reagieren diese komplex
aufgebauten Präzisionswerkzeuge des Körpers enorm empfindlich, viele
Störungen und Krankheiten des Hörsystems sind irreparabel und werden
vom Tinnitus begleitet.
Das Maß des Erträglichen
So zählen die Ohrgeräusche beispielsweise bei Hörsturz, Morbus Menière oder Hyperakusis
(Geräuschüberempfindlichkeit) zu den zentralen Symptomen, die relativ
selten auftretende Otosklerose oder das Cholesteatom (chronische
Vereiterung des Mittelohres) kündigen sich ebenfalls häufig durch
Tinnitus an.
Darüber hinaus können andere Störungen und Erkrankungen wie ein
verstopfter Gehörgang, Virusinfektionen, Verletzungen des Ohrs,
Kreislauferkrankungen, Durchblutungsstörungen, Schädelhirntrauma oder
Tumore weitere Ursachen für das Ohrensausen sein. Häufiger wird der
Tinnitus jedoch durch eine Überstrapazierung des Gehörs – etwa durch
laute Musik, Schüsse, Maschinenlärm, etc. – ausgelöst. Viele
Tinnituskranke machen zudem besondere Stresssituationen für das Auftreten der Geräusche verantwortlich.
Reagieren Sie schnell
Egal wodurch der Tinnitus ausgelöst wurde, soviel ist sicher:
Pfeifen, Summen, Sausen oder Piepen im Ohr sind Warnzeichen, die auf
jeden Fall ernst genommen werden müssen. Sie weisen oftmals darauf hin,
dass man sich körperlich oder seelisch überfordert hat. Gerade wenn die
Geräusche nach mehreren Stunden nicht abklingen, sollten Sie dringend
einen Facharzt aufsuchen. Denn je schneller ein chronischer Tinnitus diagnostiziert wird, desto besser lässt er sich therapieren.
Wo liegen die Ursachen?
Obwohl die Behandlung innerhalb der letzten Jahrzehnte enorme
Fortschritte gemacht hat, liegt eine zentrale Frage nach wie vor im
Dunkeln: Wie und wo genau entstehen die Ohrgeräusche? Welche Ursache haben sie? Dazu gibt und gab es unterschiedliche Sichtweisen. Folglich hat sich auch die Tinnitus-Definition im Laufe der Jahre geändert:
- Bewusste Wahrnehmung eines Geräuschs, das im eigenen Kopf entsteht (nach McFadden 1982)
- Hörempfindungen, die keinen Signal- oder Informationscharakter
haben, sondern durch eine Funktionsstörung im Bereich des Hörsystems
bedingt sind (nach Lenarz 1992)
- Wahrnehmung eines Geräuschs, das ausschließlich aufgrund von
Aktivität innerhalb des Nervensystems ohne entsprechende mechanische,
vibratorische Aktivität innerhalb der Cochlea entsteht (nach Jastreboff
1994)
- Ohr- oder Kopfgeräusche jeder Art, die nicht auf einem von außen einwirkenden Schall beruhen (nach Kellerhals & Zogg 1995)
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