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Weil Symptome, Ursachen und Behandlung von Tinnitus von Fall zu
Fall stark variieren und bei Betroffenen und in der Gesellschaft ein
hoher Informationsbedarf besteht, haben wir nachfolgend eine Liste
häufig gestellter Fragen zusammengestellt. Sollte ihre Frage darin
nicht aufgeführt sein, wenden Sie sich doch einfach per E-Mail an unser Beratungsteam. Welche Personen sind besonders tinnitusgefährdet?
Obwohl
der Begriff der „Tinnituspersönlichkeit“ häufig zu lesen ist, liegen
bis dato keine gesicherten Erkenntnisse über bestimmte
Persönlichkeitstypen vor, die ein höheres „Tinnitusrisiko“ haben.
Dennoch begünstigen einige physische und psychische Faktoren den
Tinnitus mit relativ großer Wahrscheinlichkeit. Dies gilt besonders für
Menschen, - die viel von sich, ihrem Körper und ihrer Psyche verlangen,
- die tendenziell ängstlich auf Anforderungen und Neues reagieren,
- die auch im erweiterten Sinn nicht zur Ruhe kommen,
- denen es an einem Gefühl für Sicherheit und Sinn im Leben mangelt,
- die bereits einen Hörsturz erlitten haben
Wie stark ist mein Tinnitus? Diese
Frage ist nicht einfach zu beantworten, da sie von unterschiedlichen
Perspektiven aus betrachtet werden kann. Zum einen kann die
audiometrische Ausprägung, also die erlebte Lautstärke, ein Indikator
für den Schweregrad der Erkrankung sein. Um diesen zu ermitteln wird
gemessen, ab welcher Lautstärke ein Tinnitus durch andere Geräusche
verdeckt werden kann. Zum anderen wird die Stärke des Leidensdruckes
zur Einordnung des Schweregrades herangezogen. Denn auch relativ leise
Geräusche können bei der Konzentration, beim Verfolgen von Gesprächen
oder beim Einschlafen enorm stören und extreme Stimmungsbelastungen
auslösen. Der Leidensdruck ist somit nicht zwingend von der
Lautstärke abhängig. Es gibt viele Menschen mit einem „lauten“
Tinnitus, die recht gut damit leben, während andere bereits unter sehr
leisen Störgeräuschen enorm leiden. Kann Tinnitus geheilt werden?
Immer
wieder wird die Nachricht verbreitet, dass ein Mittel gegen den
Tinnitus gefunden sei. Dies weckt bei Betroffenen Hoffnung und die
Bereitschaft, viel Geld für neue Medikamente zu investieren. Meist
rentieren sich diese Ausgaben nicht. Zurzeit gibt es keine einheitliche
und zuverlässige Heilungsmethode für Tinnitus. Bei derartigen Meldungen
ist deshalb enorme Vorsicht geboten. Die Deutsche Tinnitus Liga
informiert im Internet und in ihrer Zeitschrift, dem Tinnitus Forum,
über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Auch wenn
bislang noch kein „echtes“ Tinnitus-Medikament entwickelt wurde, lässt
sich Tinnitus gut behandeln: Rund 50 Prozent der Betroffenen lernen
relativ schnell und ohne größere fremde Hilfe, den Tinnitus zu
bewältigen, neun von zehn erzielen auch nach längerer Erkrankung eine
deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sehr
häufig berichten Patienten, dass der Tinnitus erstmalig während oder
kurz nach einer Zeit mit besonders hoher Belastung aufgetreten ist.
Welche Wirkungszusammenhänge genau dazu führen, kann zurzeit nicht
gesagt werden. Höchstwahrscheinlich begünstigen starke innere
Anspannung, Ängste und „zu wenig zur Ruhe kommen“ – also Stress – das
Auftreten der Krankheit. Wichtig dabei ist zu beachten, dass Stress das
Ergebnis einer Situation bezeichnet. Wir sind alle umgeben von
Stressoren wie z. B. dem heißen oder kalten Wetter, Arbeit, Konflikten
oder Lärm. In gewisser Weise sind manche dieser Stressoren sogar
willkommen, da viele Menschen Herausforderungen positiv erleben. Erst
wenn es zuviel wird, reagiert unser Körper und signalisiert zum
Beispiel durch Ohrtöne, dass wir etwas ändern müssen. Stress
kann also negativ oder positiv sein. Der so genannte Eustress ist für
uns angenehm und versetzt uns in gute Laune. Er besteht, wenn wir etwas
tun, was wir uns zutrauen und wenn wir überzeugt sind, die
Herausforderung auch bewältigen zu können. Erst wenn dieser Zustand
nicht mehr gegeben ist, entsteht der Dysstress, z. B. das Gefühl der
Überforderung oder Hetze. Dementsprechend reduziert
Stressvermeidung nicht zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit einer
Tinnitus-Erkrankung. Wenn das Ohrgeräusch erstmalig in einer
angespannten Lebenslage aufgetreten ist, erhalten wir damit also leider
keine sicheren Hinweise für ein Vorgehen, das schnell zur Reduzierung
der erlebten Lautstärke des Tinnitus beiträgt. Da Tinnitus
bei nahezu allen Betroffenen zumindest in der Anfangsphase zusätzlichen
Stress erzeugt, der häufig wiederum zu einer Verstärkung des
Ohrgeräusches beiträgt, entsteht ein Teufelskreis, den es zu
unterbrechen gilt. Mithilfe unterschiedlicher Werkzeuge
lassen sich negative Folgewirkungen wie Ängste und Gereiztheit mindern
und im nächsten Schritt auch die erlebte Belastung durch Tinnitus
lassen sich negative Folgewirkungen wie Ängste und Gereiztheit mindern
und im nächsten Schritt auch die erlebte Belastung durch Tinnitus
Wie gehe ich richtig mit Stress um? Wichtig
ist es, dass Sie Ihr gesundes persönliches Maß finden. Dies ist am
ehesten durch Ausprobieren und die Veränderung von Stressoren möglich.
Zusätzlich können folgende Verhaltensweisen bei der Bewältigung des
Stresses helfen: Lernen Sie ein Entspannungsverfahren - Lernen Sie ein Entspannungsverfahren
- Treiben Sie Ausdauersport
- Beachten Sie Ihre körperlichen Signale
- Lernen Sie, Ihren Tinnitus zu tolerieren
- Sprechen Sie mit anderen über Ihre Belastungen
Was tun bei Ärger? Dass
Sie sich über Ihren Tinnitus ärgern, ist ganz normal. Schließlich
erleben Sie etwas, was Sie sich weder gewünscht haben noch einfach
ändern können. Langfristig hilft Ihnen der Ärger jedoch überhaupt
nicht, wahrscheinlich macht er alles nur noch schlimmer. Die richtige
Einstellung zum Tinnitus können Sie lernen. Ganz wichtig ist dabei die
Wahrnehmung und Bewertung der eigenen Gedanken und die damit
verbundenen bzw. ausgelösten Gefühle. Schadet Tinnitus meinen Ohren?
Ein kompensierter Tinnitus
ist unangenehm, jedoch auf keinen Fall gefährlich. Die wahrgenommenen
Geräusche führen nicht direkt zu körperlichen oder seelischen
Beschwerden. Erst durch unsere emotionale und gedankliche Verarbeitung
kann ein Tinnitus zu weiteren Beschwerden führen. Wenig hilfreich sind
eine ständige ängstliche Selbstbeobachtung oder Versuche, die Geräusche
„mit aller Gewalt“ übertönen oder überspielen zu wollen. Das Risiko
einer Chronifizierung und anderer Symptome wird durch derartiges
Verhalten erhöht. Auftretende Unsicherheit und Ängste sollten Sie mit
einem Arzt oder Therapeuten besprechen. Muss ich mein Gehör jetzt besonders schützen?
Viele
Menschen mit Tinnitus neigen aus Besorgnis um ihre Ohren dazu,
Geräusche zu meiden. Sie können davon ausgehen, dass Ihre Ohren noch
genauso belastbar sind wie vor Auftreten des Tinnitus. Notwendig ist
Schutz nur bei sehr lauten Geräuschen, wobei unser subjektiver Eindruck
uns dabei manchmal täuscht. So können Sie z. B. pro Woche zwanzig
Stunden Trompetenmusik in natürlicher Lautstärke hören, ohne dass Sie
fürchten müssen, Ihren Ohren damit zu schaden. Was ist ein Audiogramm?
Ein
Audiogramm ist ein Hörtest, bei dem über Kopfhörer einzelne Töne – in
der Regel zwischen 250 und 8000 Hertz – eingespielt werden. Der
Betroffene gibt an, ab welcher Lautstärke er den Ton hört. Zur
Unterscheidung der Mittelohr- und Innenohrfunktion wird die Luft- und
Knochenleitung gemessen. Die Messung an sich heißt Audiometrie und gibt
Auskunft über den Grad einer Schwerhörigkeit, ob und ggf. an welcher
Stelle ein Hörsturz oder Lärmtrauma aufgetreten ist. Welche Hirngebiete sind an der Entstehung von Tinnitus beteiligt?
Zwischen
Ohr und Hörrinde sind verschiedene Hirnzentren verschaltet. Im Ohr
werden Schalleindrücke aufgenommen und über den Hirnstamm, die formatio
reticularis, und das Limbische System mit dem vegetativen Nervensystem
(Hypothalamus) und dem Hormonsystem (Hypophyse) an den auditorischen
Cortex weitergeleitet. Das erklärt die Wachheit vor dem Einschlafen.
Denn die Ohrgeräusche verursachen eine gesteigerte
Aufmerksamkeitsreaktion im Hirnstamm, an die negativ gefärbte Gefühle
(Angst, Panik, Sorgen) geknüpft sind. Dadurch wird der Sympathicus des
vegetativen Nervensystems aktiviert und die Ausschüttung der
Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol veranlasst. Im
auditorischen Cortex wird die Schallempfindung mit bereits
gespeicherten Eindrücken abgeglichen und erkannt, in der Großhirnrinde
werden dadurch gedankliche Bewertungen, Assoziationen und weitere
Prozesse angeregt. Wie lässt sich der Tinnitus wirksam behandeln?
In
der Brunnen-Klinik können wir durch unterschiedliche Therapiemethoden
(multimodale Therapie) Einfluss auf die verschiedenen Hirnzentren
nehmen und so die durch den Tinnitus verminderte Lebensqualität
dauerhaft verbessern. Durch geeignete Information lässt die gesteigerte
Aufmerksamkeitsreaktion nach, die Entspannung wird durch die
gemeinsamen Übungen des Autogenen Training und Progressive
Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Qigong gefördert. Die
Reaktionen des vegetativen Nervensystems kommen ins Gleichgewicht, die
Ausschüttung der Stresshormone wird reduziert und die negative
Bewertung wird nach dem ABC-Schema der kognitiven (rational-emotiven)
Therapie nach Ellis verändert. So entstehen zunehmend Gefühle von
Hoffnung, Beeinflussbarkeit und Gestaltungsfähigkeit, die das Befinden
verbessern. Ist eine Infusionsbehandlung sinnvoll?
In
Deutschland gehören durchblutungsfördernde Infusionen zur
Standardbehandlung bei akut aufgetretenem Tinnitus oder beim Hörsturz,
in anderen Staaten stehen Ruhe, Stressreduktion Lärmvermeidung oder
Urlaub an erster Stelle. Es wird angenommen, dass die Haar- und
Nervenzellen des Ohres im akuten Stadium mit Sauerstoff und Nährstoffen
unterversorgt sind. Eine nachgewiesene Wirkung liegt bei HAES
(Hydroxyäthylstärke) vor. Auch Cortison wird bei Verdacht auf
immunbedingten Ursachen oft in absteigender Dosierung verordnet. Von
den Kritikern der Infusionsbehandlung wird die hohe
Spontanremissionsrate von rund 70 Prozent angeführt, d.h. dass sich zu
diesem Prozentsatz die Symptomatik ohne Behandlung zurückbilden kann. Wie funktioniert die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) und ist sie sinnvoll?
Bei
Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie geht man davon aus, dass im
akuten Krankheitsstadium bei den Haar- und Nervenzellen des Innenohres
eine Sauerstoffunterversorgung besteht und deshalb keine anhaltende
Sauerstoffsättigung des Blutes zustande kommt. Im Rahmen der HBO wird
in einer Druckkammer ein Druck erzeugt, der einer Wassertiefe von 16
Metern entspricht. Dieser komprimierte Sauerstoff wird vom Betroffenen
inhaliert. Dadurch kann eine 400fache Sauerstoffsättigung des Blutes
erzeugt werden, die eine schnelle Erholung der Zellen ermöglicht. Ob
die Zellen tatsächlich unter Sauerstoffmangel leiden, ist jedoch nicht
nachgewiesen. Was ist ein Hörsturz?
Ein
Hörsturz bezeichnet das plötzliche Nachlassen des Hörvermögens auf
einem Ohr in allen erdenklichen Variationen mit der Möglichkeit einer
leichten Taubheit. Betroffene hören Geräusche wie aus weiter Ferne oder
wie in Watte gehüllt. Ein Hörsturz betrifft manchmal einen bestimmten
Frequenzbereich, der im Audiogramm als sogenannte „Tonsenke“
nachgewiesen werden kann. Aber auch der völlige Hörverlust kann
eintreten. Deshalb ist es wichtig, sofort den HNO-Arzt aufzusuchen. Was ist ein Lärmschaden?
Ein
Lärmschaden tritt als akutes Ereignis – z. B. nach einem Knall oder
sehr lautem Geräusch – oder in Form chronischer Lärmbelästigung – z. B.
am Arbeitsplatz – auf. Das Explosionstrauma ist als dritte Möglichkeit
die schlimmste Form der Lärmschädigung, bei der noch die Folgen einer
Druckwelle hinzukommen. Im Innenohr sind dann die feinen Härchen auf
den Haarzellen durch die kräftige Flüssigkeitsbewegung abgebrochen, und
zwar in der Regel am Anfang der Schnecke, woraus eine
Hochtonschwerhörigkeit entsteht. Was ist eine Otosklerose?
Otosklerose
ist eine relativ seltene Erkrankung, bei der die Gelenke zwischen den
Mittelohrknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, insbesondere die
Verbindung zwischen Steigbügel und ovalem Fenster des Labyrinths,
verknöchern, dadurch ihre Beweglichkeit verlieren und Töne nicht mehr
so gut übertragen werden können. Durch eine Operation, die
Stapesplastik, kann eine Verbesserung des Gehörs erreicht werden. Kann Tinnitus durch eine Fehlfunktion der Halswirbelsäule oder Kiefergelenke hervorgerufen werden?
Nicht
selten berichten Betroffene von Beobachtungen, dass der Tinnitus
gleichzeitig mit Blockierungen der Halswirbelsäule, ausgeprägten
degenerativen Veränderungen, Verletzungen, Schleudertrauma oder durch
eine Fehlfunktion der Kiefergelenke aufgetreten ist. Diese Patienten
weisen darauf hin, dass sich die Ohrgeräusche durch bestimmte
Bewegungen, Kopfhaltungen oder wenn man die Zähne in einer bestimmten
Art zusammenbeißt, beeinflussen lassen. In diesen Fällen könnten
krankengymnastische Übungen, eine manuelle Therapie oder eine
Aufbiss-Schiene die Beeinträchtigung lindern. Man vermutet, dass
Nervenverbindungen durch eine erhöhte Muskelanspannung oder
Entzündungsvorgänge gereizt werden. Kann ein Hörgerät den Tinnitus lindern?
Oft
ist der Tinnitus mit einer Schwerhörigkeit verbunden. Dies liegt daran,
dass neben den äußeren Haarzellen oft auch die inneren Haarzellen
geschädigt sind und damit die Regulation der Empfindlichkeit in einem
bestimmten Frequenzbereich gestört ist. In derartigen Fällen kann durch
ein Hörgerät das Hören wieder mehr auf Außengeräusche gerichtet werden,
anstelle permanent auf die inneren Ohrgeräusche zu hören. Dabei können
allerdings anfangs oft auch die Störgeräusche stärker wahrgenommen
werden und das Hören von Sprache beeinträchtigen. Der
Hörgeräte-Akustiker kann hier durch verschiedene Einstellungen des
Gerätes Abhilfe schaffen. Morbus
Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die sich durch einen
plötzlichen Drehschwindel mit Übelkeit bis hin zum Erbrechen,
einseitiges Ohrensausen (Tinnitus aurium), Druck im Ohr sowie
einseitige Schwerhörigkeit bemerkbar macht. Dabei können die
Schwindelgefühle ohne erkennbaren Anlass zu jeder Tages- und Nachtzeit
auftreten, minuten- oder stundenlang anhalten und so stark sein, dass
der Patient selbsttätig nicht mehr stehen kann. Grund für die
Beschwerden ist eine vermehrte Wasseransammlung (Hydrops) im Inneren
des Gleichgewichtsorgans, die entweder durch eine Überproduktion oder
einen gestörten Abfluss von Endolymphe (Gewebeflüssigkeit im Ohr)
verursacht wird. Ich leide häufig unter Schwindel. Habe ich deshalb Morbus Menière? Nicht jeder Mensch, dem oft schwindelig ist, leidet unter Morbus Menière.
Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind sehr unangenehm und quälend,
treten häufig auf und sind bei zahlreichen Krankheitsbildern als
Einzelsymptome oder kombiniert mit anderen Symptomen und Befunden
vorhanden. Schwindel (Vertigo) wird immer empfunden, wenn die
Information aus den Nervenzellen der Augen, des Gleichgewichtsorgans,
der Haut, den Muskeln, Sehnen und Bändern nicht aufeinander abgestimmt
an das Großhirn geht. Das heißt, Schwindel kann unterschiedlichste
Ursachen haben und muss vom Augenarzt ebenso abgeklärt werden wie vom
HNO-Arzt, Neurologen, Internisten und Psychiater.
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